Fachbeitrag
Luftdurchlässigkeit von Stoffen für winddichte Jacken
Die Luftdurchlässigkeit zeigt, wie leicht Luft durch einen Jackenstoff strömt. „Winddicht“ ist jedoch keine vollständige Spezifikation: Prüfverfahren, Grenzwert, fertiger Aufbau und Tragekomfort müssen gemeinsam bewertet werden.

Wenn ein Einkäufer **winddichten Stoff für Jacken** sucht, steht in der Spezifikation manchmal nur ein Wort:
„Winddicht.“
Für eine Gewebeentwicklung reicht das nicht. Ein Stoff kann sich von Hand sehr windabweisend anfühlen; Lieferant und Käufer benötigen dennoch einen objektiven Leistungsnachweis.
Hierfür ist die **Luftdurchlässigkeit von Gewebe** wichtig. Die Prüfung ermittelt, wie leicht Luft unter definierten Bedingungen durch ein Textil strömt.
Bei Outdoor-Jacken hilft der Wert einzuschätzen, ob die Konstruktion den geforderten Windschutz bietet. Ein sehr niedriger Wert macht den Stoff jedoch nicht automatisch zur besten Wahl.
Die fertige Jacke muss Windschutz, Komfort, Fertiggewicht, Griff, Beschichtungs- oder Laminataufbau, Feuchtigkeitsmanagement und Belüftung ausbalancieren.
CC Textile nutzt Luftdurchlässigkeitsprüfungen, wenn der Windwiderstand eines Outdoor-Gewebes nachgewiesen werden muss. Methode und Akzeptanzgrenze richten sich nach der Kundenspezifikation; wir setzen nicht für alle Jacken einen einzigen universellen Wert an.
Was misst die Luftdurchlässigkeit?
Sie beschreibt die Luftmenge, die unter festgelegten Prüfbedingungen durch einen Stoff gelangt. Dabei wird über dem Material eine Druckdifferenz erzeugt und der Luftstrom gemessen.
Bei einem Jackengewebe wird das Ergebnis von den Zwischenräumen der Textilkonstruktion beeinflusst, darunter:
- Garnfeinheit
- Kett- und Schussdichte
- Bindung
- Garnform und Filamentaufbau
- Kalandrieren
- Beschichten
- Laminieren
- mechanische Ausrüstung
- chemische Ausrüstung
Ein locker aufgebautes Gewebe lässt bei vergleichbarem Garnsystem meist mehr Luft durch als ein dichtes. Beschichtung, Membran und Ausrüstung machen den Vergleich jedoch komplexer.
Der Wert ist deshalb immer zusammen mit der vollständigen Stoffbeschreibung zu lesen, nie als isolierte Zahl.
Warum „winddichter Stoff“ Prüfverfahren und Grenzwert braucht
„Winddicht“ ist eine nützliche Produktbeschreibung, aber keine vollständige Laboranforderung.
Offen bleiben Verfahren, Prüfbedingungen, Einheit, Grenzwert, zu prüfende Materialstufe sowie die Frage, ob vor oder nach Beschichtung beziehungsweise Laminierung geprüft wird.
Eine Zahl ist nur mit ihren Messbedingungen aussagekräftig. Berichte verschiedener Lieferanten sind nicht automatisch vergleichbar, wenn Verfahren und Bedingungen abweichen.
Für Entwicklung und Bulk-Freigabe sollte die Vorgabe lauten:
**Prüfverfahren + Prüfbedingungen + Einheit + Akzeptanzgrenze + zu prüfende Materialstufe.**
Wenn der Kunde Methode und Grenzwert vorgibt, bewertet CC Textile danach, statt eine eigene willkürliche Definition von Winddichtigkeit zu verwenden.
Mehr dazu finden Sie unter Qualität und Compliance.
Luftdurchlässigkeit ist nicht dasselbe wie MVTR
Beide Größen werden bei Outdoor-Jacken diskutiert, messen aber unterschiedliche Vorgänge.
**Die Luftdurchlässigkeit misst den Luftstrom durch den Stoff.**
**MVTR beschreibt die Übertragung von Wasserdampf durch ein Material oder Textilsystem.**
Ein Gewebe kann nahezu luftdicht sein und gleichzeitig Wasserdampf durch eine atmungsaktive Membran transportieren. Das ist bei wasserdichten, windabweisenden Shell-Aufbauten üblich.
Ein Laminat kann Außenluft begrenzen und trotzdem vom Körper erzeugten Wasserdampf durch das Membransystem passieren lassen. Beide Eigenschaften beeinflussen den Komfort, sind jedoch nicht dieselbe Prüfung.
„Atmungsaktiv“ kann kommerziell MVTR, tatsächlichen Luftaustausch oder allgemein den Tragekomfort bei Aktivität bezeichnen. Diese Bedeutungen sind nicht gleichzusetzen.
Beim Vergleich **Luftdurchlässigkeit versus Atmungsaktivität** muss der Käufer daher die physikalische Zielgröße klären.
Auch Bekleidungskonstruktion, Aktivität, Wetter und Belüftung beeinflussen Feuchtigkeit in wasserdichten Jacken. Siehe Warum sich wasserdichte Jacken innen nass anfühlen.
Wie Bindung, Dichte, Beschichtung und Laminierung den Luftstrom beeinflussen
Bei Outdoor-Geweben bestimmt bereits die Grundkonstruktion einen großen Teil des Luftstroms.
### Gewebedichte
Liegen Kett- und Schussfäden enger, werden die Luftwege kleiner. Deshalb kommen hochdichte Gewebe häufig für windabweisende Jacken infrage.
Dichte ist aber nur zusammen mit Garnfeinheit und Bindung aussagekräftig. Ein feines hochdichtes Gewebe verhält sich anders als eine schwere Konstruktion; auch das Fertig-GSM kann abweichen. „Hochdicht“ allein ist keine Windschutzspezifikation.
### Kalandrieren
Kalandrieren verändert Oberfläche und innere Struktur. Je nach Material und Prozess kann es den Stoff verdichten und Luftwege reduzieren – sinnvoll bei bestimmten leichten Jackengeweben.
Griff, Optik und weitere Anforderungen müssen am Fertigstoff geprüft werden.
### PU-Beschichtung
Eine PU-Beschichtung kann den Luftstrom deutlich verändern. Entscheidend sind nicht mehr nur die Grundware, sondern auch Rezeptur, Auftragsmenge und Verfahren.
Windwiderstand kann steigen, zugleich verändern sich möglicherweise Griff, Steifigkeit, Fertig-GSM, Fall, Luftdurchlässigkeit und Feuchtigkeitsmanagement.
Eine Prüfung nur der unbeschichteten Grundware kann den fertigen Jackenstoff daher falsch darstellen.
### TPU-Laminierung
Eine TPU-Membran verändert den Luftstrom häufig noch stärker. Bewertet wird dann ein Verbund, zum Beispiel:
Oberstoff / TPU-Membran
oder:
Oberstoff / TPU-Membran / Abseitenware
Das Endlaminat kann ein ganz anderes Ergebnis als der Oberstoff vor der Laminierung zeigen. Deshalb muss die Endkonstruktion bekannt sein.
Dasselbe gilt für Wasserdichtigkeit: Grundware und fertiges System sind nicht gleichzusetzen. Weitere Hinweise: Spezifikationen für wasserdichte Stoffe.
Kann die Luftdurchlässigkeit zu niedrig sein?
Bei starkem Wind und exponiertem Wetter kann extrem geringer Luftstrom genau richtig sein. Für jede Jacke gilt aber nicht automatisch „je niedriger, desto besser“.
Eine technische Shell priorisiert möglicherweise maximalen Windschutz; eine leichte Lauf- oder aktive Wanderjacke braucht eine andere Balance aus Schutz und Komfort.
Das bedeutet nicht einfach „hohe Luftdurchlässigkeit“, sondern eine an den Einsatz angepasste Leistungsanforderung.
Front- und Achselreißverschlüsse, meshgefütterte Taschen, Lüftungsöffnungen, Passform und Futter beeinflussen zusätzlich Wärme- und Feuchtigkeitsabfuhr.
Ein sehr niedriger Wert beschreibt den Luftstrom durch das Prüfmaterial, sagt aber nicht alles über den Komfort der fertigen Jacke aus.
Warum der Fertigstoff geprüft werden muss
Eine zentrale Einkaufsfrage lautet: **In welcher Fertigungsstufe wurde geprüft?**
Nach der Prüfung der Grundware können DWR-Ausrüstung, Kalandrieren, PU-Beschichtung, TPU- oder Abseitenlaminierung sowie weitere mechanische und chemische Prozesse folgen. Jeder Schritt kann das Ergebnis verändern.
Bei technischen Laminaten ist dies besonders wichtig: Nach Membran und Backing liegt ein anderes Materialsystem vor; der Ausgangswert beschreibt nicht mehr das Endprodukt.
Für die Bulk-Freigabe muss die Prüfphase der Vereinbarung entsprechen. Bezieht sich die Anforderung auf das fertige Laminat, ist dieses zu prüfen.
Auch ein unfertiges und ein vollständig ausgerüstetes Entwicklungsmuster sind trotz ähnlicher Zusammensetzung und Garnangabe nicht gleichwertig.
Unser Prozess zur Gewebeentwicklung kann die geplante Endausrüstung oder Laminierung vor Bestätigung der Spezifikation bewerten.
Was in eine Spezifikation für winddichten Stoff gehört
Eine klare Vorgabe erleichtert die Entwicklung für Käufer und Lieferant.
### 1. Bekleidungsanwendung
Nennen Sie den Einsatz, etwa Hardshell, Windbreaker, Lauf-, Ski-, Regen-, Softshell- oder Arbeitsjacke. So lässt sich Windschutz in das Gesamtprofil einordnen.
### 2. Stoffkonstruktion
Wenn bekannt: Faserzusammensetzung, Denier, Bindung, Fertig-GSM und Stretch. Andernfalls helfen Referenzmuster oder Zielbekleidung.
### 3. Prüfverfahren für Luftdurchlässigkeit
Legen Sie die Methode fest, damit Lieferanten nicht unter unterschiedlichen, nicht vergleichbaren Bedingungen prüfen.
### 4. Akzeptanzgrenze
Geben Sie den markeninternen Grenzwert an und verlassen Sie sich nicht allein auf „winddicht“.
### 5. Einheit und Prüfbedingungen
Definieren Sie das Berichtsformat; der Wert wird stets mit den Messbedingungen interpretiert.
### 6. Materialstufe
Legen Sie fest: unbehandelte Grundware, Fertigstoff, PU-beschichtet oder 2-, 2,5- beziehungsweise 3-Lagen-Laminat. So werden nicht verschiedene Konstruktionen freigegeben und geprüft.
### 7. Weitere Leistungsanforderungen
Dazu können Wassersäule, MVTR oder anderer Wasserdampftest, Weiterreiß- und Abriebfestigkeit, Stretch und Rücksprung, DWR, Maßstabilität und Waschbeständigkeit gehören.
Die Eigenschaften müssen zusammenpassen; eine bestandene Einzelprüfung darf den Stoff nicht für das Kleidungsstück ungeeignet machen.
Winddicht ist eine Leistungsanforderung, nicht nur eine Beschreibung
Die Luftdurchlässigkeit bewertet den Luftstrom durch ein Textil, benötigt bei Outdoor-Jacken aber Kontext.
Der Käufer muss wissen, **was, wie, in welcher Stufe und gegen welchen Grenzwert geprüft wurde**.
Ein leichter Windbreaker, eine aktive Wanderjacke und eine laminierte technische Shell brauchen unterschiedliche Leistungsprofile. Die richtige Spezifikation beginnt beim Kleidungsstück; Konstruktion, Ausrüstung und Prüfung folgen dem Einsatzzweck.
CC Textile kann die Luftdurchlässigkeit in ein Outdoor-Gewebeentwicklungsprogramm aufnehmen. Senden Sie vorhandene Methode und Grenze zusammen mit Bekleidungsart, GSM, Konstruktion und Ausrüstung. Ist die Spezifikation noch offen, vergleichen wir geeignete Aufbauten und bestimmen die Prüfmuster.
Einkäufer können außerdem Tex-Alliance besuchen.
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Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Luftdurchlässigkeit bei Stoffen?
Sie misst, wie leicht Luft unter festgelegten Bedingungen durch einen Stoff strömt. Bei Jackengeweben unterstützt sie die Bewertung des Windschutzes, muss aber mit Methode, Konstruktion und Fertigungsstufe gelesen werden.
Bedeutet ein niedriger Wert automatisch winddicht?
Er zeigt einen begrenzten Luftstrom im Prüfmaterial, doch es gibt keinen universellen Winddicht-Wert. Methode, Bedingungen, Einheit, Grenzwert und Materialstufe müssen festgelegt werden.
Ist Luftdurchlässigkeit dasselbe wie Atmungsaktivität?
Nein. Luftdurchlässigkeit misst Luftstrom; MVTR und ähnliche Verfahren messen Wasserdampftransport. Beides beeinflusst den Komfort, sind aber unterschiedliche physikalische Eigenschaften.
Soll vor oder nach Beschichtung und Laminierung geprüft werden?
Die Prüfphase muss der Spezifikation entsprechen. Gilt die Anforderung für einen PU-beschichteten oder TPU-laminierten Fertigstoff, ist der vollständige Aufbau zu prüfen.